Stummfilme elektrisiert

Schon mal gehört? – DJs vertonen Stummfilme – StuRa lädt ein in die Schaubühne Lindenfels

Stummfilme und Klavier, ja schon mal gehört. Stummfilme und Bands, auch nett. Stummfilme und Orchester, warum nicht. Aber Stummfilme und DJs? Wasn das? Kann das gut gehen? Na und wie! Und zwar am Samstag, den 28.06.08, im Rahmen der monatlichen Veranstaltungsreihe des StudentInnenRates der Universität Leipzig, der Intensivstation. Und zwar im Grünen Salon der Schaubühne Lindenfels, wenn Plattenspieler, Leinwand und DJs aufeinander treffen, um Stummfilme hörbar zu machen. Mit dabei ist Bert the Juggler, der sich schon seit Jahren in der Szene für atemberaubende Abende verantwortlich zeigt und Stummfilmklassiker wie Nosferatu, Metropolis oder Panzerkreuzer Potemkin elektrisierte. Des Weiteren legen D’dread und D Boy auf, die beide vom Funk, Motown über Big Beats und Elektro unaufhörlich Leipzigs Partypaläste durchschütteln und rütteln. Doch dieses Mal ist die Mission eine andere, nämlich das Einhauchen des Filmbildes mit neuem Atem. Fingerspitzengefühl zwischen Tonreglern, Plattenrillen und Kopfhörern wird erforderlich sein, bis in die kleinste Bildfingerspitze hinein.

Vertont wird im ersten Teil der Veranstaltung einer der letzten deutschen Stummfilme und zugleich der schönste, der charmanteste, der modernste: Menschen am Sonntag. Kein geringerer als Robert Siodmak und Edgar G. Ulmer, der King of B-Movies, führten Regie Der junge Billy Wilder schrieb dazu das Drehbuch. Siodmaks und Ulmers semidokumentarischer Spielfilm aus dem Jahr 1929 gilt als eines der wichtigsten Werke der ausgehenden Stummfilmzeit und gehört zu den berühmtesten Vertretern der „Neuen Sachlichkeit“. Kurz zum Inhalt. Vier junge Leute machen einen Sonntagsausflug ins Grüne, an den Wannsee, Berlin. Sie planschen durchs Wasser, fahren Tretboot, gehen spazieren und hören Grammophon, sie necken und lieben sich, gehen wieder auseinander. Eine Allerweltsgeschichte und doch unvergesslich, bezaubernd in ihrer spielerischen Leichtigkeit. Ein Geniestreich einer Gruppe von jungen Filmemachern, hergestellt mit wenig Geld und großer Begeisterung. Fallen lassen ist angesagt.

Spannend wird auch der zweite Teil der Veranstaltung. Mit den Videoinstallationen des HGB-Studenten Konstantinos-Antonios Goutos wird die Brücke zur Moderne geschlagen. Ganz eigensinnig verkündet der selbsternannte Videoflaneur in seinen Kurzfilmen die Poesie des Menschseins. Kleine Alltagssplitter, kleine Geschichten, zu unauffällig und unscheinbar, um sie im Normalfall selbst zu sehen, spiegelt Goutos dem Betrachter wider. Und er regt damit zum Hinsehen, träumen, aber vor allem zum Reflektieren des Alltäglichen an. Sein Kurzfilmprojekt „erste bilder aus berlin“ (2003) zeigt Momentaufnahmen des menschlichen Aufeinandertreffens in der Großstadtwüste Berlin. Sein zweiter Stummfilm aus dem Jahr 2007, welches einen Jongleur in dreimaliger Wiederholung an einer Ampelanlage zeigt, wird am Ende der Veranstaltung drei Mal gezeigt werden, unterlegt in einer jeweils anderen Interpretation der drei DJs. Stummfilme und DJs? Kann das gut gehen? Es sieht alles danach aus.

Programm:

Was: DJs vertonen Stummfilme
Wann: Samstag, den 28.06.08 / Beginn: 20 Uhr
Wo: Grüner Salon / Schaubühne Lindenfels

Eintritt: erm. 3 € / 5 €
Veranstalter: Eine Veranstaltung des StudentInnenRates der Universität Leipzig
Unterstützer: Studentenwerk Leipzig

Künstler:

Bert the Juggler www.myspace.com/bertthejuggler
D’dread www.myspace.com/djddread
D-Boy www.myspace.com/distilleryboy

Konstantinos-Antonios Goutos
www.videoflaneur.googlepages.com

Veranstalter: www.stura.uni-leipzig.de

Thomas Seifert

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