Und heute empfiehlt der FSR TW:

Mit „Der Seiltänzer/ Le Funambule“ bringt die funambule GbR am 24. März 2011 das gleichnamige Prosagedicht von Jean Genet auf die LOFFT-Bühne in Leipzig. In seinem 1957 in Frankreich erschienenen Prosagedicht schreibt Jean Genet über die Virtuosität des Hochseiltanzes. Er fordert den Akrobaten auf, sein ganzes Dasein radikal auf den Moment der Einsamkeit im Rampenlicht auszurichten. Die Überwindung der Todesangst und der Lebenslust, die Liebe zum Objekt – dem Seil - werden dabei zur Voraussetzung für die Kunst. Genet stellt dem Zirkus, einem „Geschicklichkeitsspiel, das verlangt, daß wir wach bleiben“, das
Theater gegenüber als einen „Ort an dem sich die höllischen Trugbilder vorbereiten“, ohne sich einer
tatsächlichen Bedrohung auszuliefern. Auf der Bühne umgesetzt, wird Genets Text zum Drahtseilakt.
Er richtet sich an ein Du/Ihn, an eine Person gegenüber. Die Inszenierung (Regie: Nora Otte) begibt sich auf die Suche nach Orten, Figuren sowie Handlung
und schafft sich Adressaten und Absender (ab). Es entsteht ein multiperspektivisches Spiel. Sie illustriert einen Raum, in dem eine theatrale Umsetzung der Worte Genets über den Zirkus statt finden kann. Ein Schauspieler ist kein Seiltänzer, Felix C. Voigt ist kein Akrobat. Seine Kunst liegt in der Verkörperung diverser Figuren. Die wohlformulierten Weisungen Genets werden zum Konflikt und die Bühne (Bühnenbild: Sabine Pfisterer) zur Müllhalde, Manege und Podium. Nebenan ein Pfannenorchester, eine Geräuschkulisse, von dem Musiker Manfred Peter vorangetrieben. Der Schauspieler Felix Constantin Voigt und der Musiker Manfred „Manol“ Peter, brachten bereits 2009 mit „Das Geheul/Howl (Allen Ginsberg) & vertonte Gedichte von Gregory Corso“ eine lyrischen Vorlage auf die Bühne.
„Man ist kein Künstler, wenn nicht ein großes Unglück mit im Spiele ist…“

© Bildrechte: Sabine Pfisterer