ÜBERLEBEN IN UMBRUCHZEITEN BIOGRAPHISCHE ESSAYS ZU HERBERT IHERING

„Herbert Ihering war kein homo politicus. Politisches Gespür ging ihm ab – einzig wichtig war Theater, und
das war entweder gute oder schlechte Kunst.“

Überleben in Umbruchzeiten: Biographische Essays zu Herbert Ihering
Herausgegeben von Sebastian Göschel, Corinna Kirschstein und Fee Isabelle Lingnau.
Edition Voss im Horlemann Verlag, 344 Seiten, 18,90 Euro. ISBN 978-3895023200


Der Kritiker Herbert Ihering (1888-1977) hat in den 1920er Jahren ein Theatertalent etabliert: Bertolt Brecht. Doch seine Biographie hat mehr zu erzählen. Schon ein oberflächlicher Blick auf die Lebensdaten des einst einflussreichsten Kritikers Deutschlands, zeigt, dass sich hier Leben und Geschichte schmerzlich eng verbinden. In Iherings Biographie bedingen sich Kritik und Umbruchzeiten, sein Schreiben ist immer Reaktion auf Veränderungen und Wunsch nach Veränderung. Daher ist auch der Duktus der Essays von Göschel, Kirschstein und Lingnau dynamisch gehalten: dem vorgefundenen Material angemessen, ohne ein abschließendes Urteil zu fällen. Mal erscheint Ihering als prägende Gestalt, mal zeigt sich, dass er von historischen Ereignissen überrollt wird. Iherings Umfeld, sein künstlerischer und familiärer Hintergrund und seine Beziehungen sind bislang unbeleuchtet, sogar unbenannt geblieben. Dabei lassen gerade diese Umstände die Umbrüche deutlicher hervortreten. „Für Ihering wird es höchste Zeit. Dass sich noch niemand bereit gefunden hat, seine Biographie zu bearbeiten ist ein großes Versagen der Theaterwissenschaft“, meint Doyen Günther Rühle, „Herbert Ihering hat wohl eine der deutschesten Biographien des 20. Jahrhunderts. Durch sein ambivalentes, ganz dem Theater verpflichtetes Leben und Wirken geriet er immer wieder in merkwürdige, aber typische Situationen, sodass sich der mäandernde Verlauf der deutschen Geschichte in seiner Biographie niederschlägt.“

 Von den Autoren erschien bereits:
 Herbert Ihering: Umschlagplätze der Kritik. Texte zu Kultur, Politik und Theater
 Herausgegeben von Corinna Kirschstein, Sebastian Göschel und Fee Isabelle Lingnau.
 2010, Vorwerk 8, 296 Seiten, 19 Euro. ISBN 978-3-940384-23-2


WEITERE LESUNG: +++ 18.03.2012 | 12 Uhr Leipzig liest, LOFFT.Leipzig +++

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