STELLUNGNAHME DES KONVENTS

"Stellungnahme der studentischen Fakultätsräte der Fakultät für Geschichte, Kunst- und
Orientwissenschaften

Dem hochschulöffentlichen Senat der Universität Leipzig wurden am 21.01.2014 die
Kürzungen von 24 Stellen bekannt gegeben. Neben zwölf Stellen für Auszubildende sind drei
Stellen am Institut für Klassische Archäologie, vier Stellen am Institut für Physikalische
Chemie und fünf Stellen am Institut für Theaterwissenschaft von der aktuellen Kürzungswelle
betroffen.
Obwohl die Fakultät für Geschichte, Kunst- und Orientwissenschaften bereits 2012 zwei volle
Stellen einbüßen musste, ist sie 2014 erneut mit acht Stellen, davon vier Professuren, im
besonderen Maße betroffen. Für die Institute der Klassischen Archäologie und der
Theaterwissenschaft bedeutet dies schlicht die mittelfristige Schließung und für über 600
Studierende eine unsichere Zukunft ihres Studiums. Neben der drängenden Frage wie
angesichts der Einsparungen der Lehrbetrieb aufrechterhalten werden soll, finden auch
zahlreiche andere Folgen dieser einschneidenden Maßnahmen keine Beachtung durch das
Rektorat. So ist unklar, auf welche Art die Fortführung des Antikenmuseums sowie des
Tanzarchivs ohne Mitwirkungen der Institute gesichert werden kann. Auch ist der Lehrstuhl
für Ur- und Frühgeschichte durch den Wegfall der Klassischen Archäologie existenziell
bedroht, da weitere Immatrikulationen in den Studiengang der Archäologie der Alten Welt
nach den geltenden Studiendokumenten nicht mehr möglich sind.
Dadurch ist nicht nur die Vielfalt der Lehre an der Universität Leipzig bedroht, sondern auch
das Vertrauen in die Hochschule selbst stark erschüttert. Die Universität Leipzig sei eine
Stätte der Pflege kultureller Traditionen und vertritt dies mit einem besonderen Akzent in den
Geistes- und Naturwissenschaften. So zumindest ist es in ihrem Leitbild zu lesen. Umso
schwerer nachvollziehbar erscheinen in diesem Kontext die Kürzungen im Bereich der
Klassischen Archäologie, der Theaterwissenschaft und der Physikalischen Chemie. Doch wird
nicht nur das Leitbild ad absurdum geführt, auch der Grundsatz der jüngst formulierten
Rahmenrichtlinien, die Universität Leipzig in ihrem Status als integrierte Volluniversität zu
erhalten, wirkt in diesem Licht bedeutungslos.
Das Institut für Klassische Archäologie weist eine hervorragende internationale Vernetzung
auf. Zudem werden die Lehrkapazitäten durch die Studierenden optimal ausgelastet. Durch
die enge Kooperation mit dem Antikenmuseum wird eine starke Außenwirksamkeit erzielt.
Die Attraktivität des Studiengangs rekurriert sich zudem auf ihrer wissenschaftlichen
Abgrenzung zur Martin-Luther-Universität Halle. Wie kann also das Hauptargument des
Rektorats für die Schließung des Instituts sein, dass dem Standort Leipzig im regionalen
Vergleich eine untergeordnete Rolle zukommt?
Eine ebenso herausragende Bedeutung fällt der Theaterwissenschaft an der Alma Mater zu.
Diese Bedeutung manifestiert sich nicht nur darin, dass sie ein in Ostdeutschland einmaliges
Studienangebot darstellt, sondern findet ihren Ausdruck auch in der überregionalen
Vernetzung mit internationalen Hochschulen und Kooperationspartnern. Die Qualität des
Lehrangebots drückt sich nicht zuletzt in dem starken Interesse der Studierenden an den
Angeboten des Instituts aus. Wie kann also die Theaterwissenschaft nicht dem
perspektivischen Profil der Universität Leipzig entsprechen?
Auch der Beitrag beider Institute im Rahmen der interdisziplinären Forschung ist hoch zu
bewerten. Vor diesem Hintergrund mutet die Auswahl der einzusparenden Stellen willkürlich
an. Jedoch ist der Ursprung der sächsischen Kürzungsproblematik nicht zuerst im Rektorat,
sondern in einer Entscheidung der Sächsischen Landesregierung von 2010 zu finden. Da
bereits die letzten Jahre gezeigt haben, dass diese allerdings auf fehlerhaft prognostizierten
Immatrikulationszahlen beruht, stellt sich die Frage nach der generellen Berechtigung dieser
Einsparungspläne.
Im Angesicht einer derartigen Menge an Widersprüchen und Intransparenz können wir die
Kürzungen in dieser Form unmöglich hinnehmen. Aus diesem Grund erwarten wir die
Klärung dieser zahlreichen offenen Fragen durch das Rektorat und fordern das SMWK und
den Sächsischen Landtag auf, die Stellenkürzungen bis auf weiteres auszusetzen.
Der Konvent der Fakultät für Geschichte, Kunst- und Orientwissenschaften
Leipzig, 28.01.2014"

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