STELLUNGNAHME DES MITTELBAUS DES HISTORISCHEN SEMINARS

An die Rektorin der Universität Leipzig, Prof. Dr. Beate Schücking

Der akademische Mittelbau des Historischen Seminars der Universität Leipzig protestiert in aller Form gegen die Kürzungsvorhaben des Rektorats, zu denen es sich im Anschluß an die Vorgaben des Sächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst entschlossen hat. Wir erklären uns solidarisch mit allen Mitarbeiterinnen, mit den Studierenden der Institute Klassische Archäologie und Theaterwissenschaft, dem Wilhelm-Ostwald Institut für Physikalische und Theoretische Chemie sowie den Verwaltungsangestellten und Auszubildenden, die von diesen Streichungen betroffen sind.
Für uns als Mitglieder der Fakultät für Geschichte, Kunst- und Orientwissenschaften rufen vor allem zwei Aspekte tiefe Empörung hervor.
(1) Von den Streichungen ist zum wiederholten Male besonders unsere Fakultät betroffen. Sowohl die Klassische Archäologie als auch die Theaterwissenschaften zeichnen sich dadurch aus, dass sie der Universität Leipzig ein überregional einmaliges Profil verliehen haben. Die Klassische Archäologie an der Universität Leipzig hat eine fast 300jährige Tradition und stellt das einzige Institut dieser Art im Land Sachsen dar. Die Archäologie betreibt gemeinsam mit der Professur für Ur- und Frühgeschichte am Historischen Seminar den in dieser Form einmaligen Studiengang „Archäologie der Alten Welt“, der die regelmäßig geforderte Vernetzung von Fachbereichen und Kompetenzen innerhalb der Universität beispielhaft vorlebt. Dieser Studiengang ist ohne die Klassische Archäologie nicht haltbar. Die erst 2011 neu besetzte Ur- und Frühgeschichte sähe sich ihrer existentiellen Partnerin beraubt. Auch das Antikenmuseum und die universitären Sammlungen wären ohne das entsprechende Institut nicht zu halten. Darüber hinaus würde der gesamte Komplex der Altertumswissenschaften, der in seiner Kombination einzigartig ist auf dem Gebiet der neuen Bundesländer, empfindlich geschwächt.
Nicht nur hier, sondern in den neuen Bundesländern insgesamt ist das Institut für Theaterwissenschaften einzigartig. Es hebt sich durch eine hohe internationale Vernetzung und tiefe Verankerung in der Wissenschafts- und Kulturlandschaft Leipzigs hervor.
Beide Streichungen sind nicht nur ein schmerzhafter Verlust an sich, sondern legen auch die Axt an die Geisteswissenschaften in Leipzig insgesamt an. Durch die Streichungen werden zahlreiche weitere Einrichtungen in ihrer Funktionalität irreparabel geschädigt. Wir befürchten, dass genau dieser Verlust an Vitalität bei einer nächsten Kürzungsrunde gute Argumente für weitere Streichungen liefern könnte.
(2) Was unsere Sorge wachsen lässt, ist die Art und Weise der Kommunikation des Rektorats mit den Universitätsangehörigen. Den Theaterwissenschaften wird von einem ihnen bis dato unbekannten, externen Gutachten bescheinigt, sie würden perspektivisch als nicht relevant für die Profilbildung der Universität eingestuft und der Professor für Klassische Archäologie, Prof. Dr. Hans-Ulrich Cain, erfuhr die Argumente für die Streichung seines Instituts erst aus der Presse. Die Streichungen stehen zudem im Widerspruch zu Ihrer Antrittsrede, in welcher gerade der Erhalt der „kleinen“ Fächer als wichtige Leitlinie formuliert wurde. Die Universität Leipzig vertritt den Anspruch eine Volluniversität zu sein, doch ist dieser Anspruch mit der sukzessiven Verengung des Fächerangebots kaum glaubwürdig und nicht mehr aufrecht zu erhalten. Das nationale und internationale Ansehen unserer Hochschule steht auf dem Spiel. Wir appellieren daher eindringlich an Sie, die geplanten Schritte noch einmal zu überdenken und gemeinsam mit den betroffenen Stellen Alternativen zu prüfen, um die Vielgestalt und Vitalität des Hochschulstandorts Leipzig zu erhalten. Alles, was jetzt abgeschafft wird, wird es nie wieder geben. Dieser unschätzbare Verlust sollte jede Mühe und jeden Gedanken wert sein, ihn abzuwenden.
Im Namen des Akademischen Mittelbaus des Historischen Seminars,
Oliver Bräckel M.A. Marie Ulrike Schmidt M.A.
Leipzig, den 28. Januar 2014

1 Kommentar:

Lucas hat gesagt…

Dieser Artikel ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Jedoch sehr gut geschrieben und ich stimme mit allem. Mein Kompliment an den Autor!