Stellungnahme zu den aktuellen Stellenstreichungen an der Universität Leipzig FSR Chemie und Mineralogie


Sehr geehrte Damen und Herren,
Anlässlich der im Senat der Universität Leipzig am 21.01.2014 vorgestellten Stellenkürzungen für 2014 sieht sich der Fachschaftsrat Chemie & Mineralogie der Universität Leipzig verpflichtet zu den Vorgängen Stellung zu beziehen.
Der FSR Chemie & Mineralogie schließt sich den Pressemitteilungen des Student_innenRates und der ebenfalls betroffenen Fachschaftsräte in ihrer Kritik der Stellenkürzungen an. Die Pläne des Sächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur gefährden akut den Wissenschaftsstandort Sachsen. Der Erhalt und Ausbau einer guten Lehre und Forschung an den Universitäten sollte für jede Regierung eine hohe Priorität haben und ist, auch angesichts der gesellschaftlichen Entwicklungen, kein Luxusgut sondern absolute Notwendigkeit um Sachsens Position als Technologie- und Kulturstandort zu sichern. Die Lehre an den Universitäten wird bereits jetzt großflächig drittmittelfinanziert, mit den geplanten Kürzungen bis 2020 wird sich diese Situation weiter verschärfen,und letztendlich die Unabhängigkeit der Universitäten und ihrer Lehre komplett verlorengehen.
Die grundlegenden Fehlentscheidungen liegen nach Meinung des FSR Chemie & Mineralogie in den Zielen der sächsischen Regierung zum Umbau der Universitätslandschaft in Sachsen. Diese Pläne gehen immernoch von einem Rückgang der Studierendenzahlen
aus, obwohl die Realität diese Prognosen bereits vor Jahren widerlegt hat. Treten die zzt. geplanten Umbauten der Hochschullandschaft und die damit einhergehende Streichung vieler Studiengänge und Mitarbeiterstellen in Kraft, kann zukünftigen Studierenden nur noch vom Standort Sachsen abgeraten werden. Aufwendige Werbekampagnen wie „Pack dein Studium“ zur Bewerbung Sachsens als Studienstandort erscheinen im Lichte der aktuellen Entwicklungen nun nur noch als inhaltsleere Versprechungen.
Aufgrund der Streichung einer Professur im Institut für physikalische Chemie sowie dreier Mitarbeiterstellen im selbigen kann davon ausgegangen werden, dass die neuen Profilbereiche der Universität Leipzig Complex Matter und Mathematics and Computations in the Sciences eher als Sarkasmus denn als ernsthafte Pläne für die Zukunft der Universität Leipzig zu verstehen sind. Die effektive Zerstörung der Geburtsstätte der physikalischen Chemie an dieser Universität lässt für uns keinen anderen Schluss zu.
Der FSR Chemie & Mineralogie möchte an dieser Stelle auch darauf hinweisen, dass einige Berichterstattungen dieses Thema nicht in seiner Gänze darstellen. Die Stellenstreichungen treffen nicht mehr nur die geisteswissenschaftlichen Institute, sie sorgen auch in den naturwissenschaftlichen Instituten aller Universitäten für akuten Mangel an Lehr- und Forschungspersonal. Die Universität Leipzig steht weiterhin nicht alleine im Kreise jener sächsischen Universitäten, an den drastisch auf Kosten der Qualität gekürzt wird. An allen sächsischen Universitäten wird ein massiver Stellenabbau auf Kosten aller vorangetrieben. Selbst die erst kürzlich zur Exzellenzuniversität erhobene Technische Universität Dresden muss Studiengänge streichen und relevante Professuren werden nicht mehr besetzt. Die Ausmaße der Stellenstreichungen betreffen daher nicht mehr nur Studierende und Mitarbeiter der Universitäten, sie werden langfristig negative Auswirkungen auf die sächsische Wirtschaft und damit auf alle Bürgerinnen und Bürger in Sachsen haben.
Sollten die Stellenkürzungen im geplanten Umfang stattfinden prognostiziert der FSR Chemie & Mineralogie einen Verfall der Lehre und schließlich den Niedergang der gesamten Fakultät Chemie & Mineralogie an der Universität Leipzig. Durch die aktuellen Stellenstreichungen können bereits mehrere Vorlesungen und Laborpraktika des Pflichtbereiches im Bachelorstudiengang Chemie und Lehramt Chemie nicht mehr angeboten werden, die Universität ist damit nicht mehr in der Lage für eine angemessene Ausbildung der angehenden Chemiker und Chemikerinnen zu sorgen. Auch der angestrebte Lehramtsstandort Leipzig wird damit zur Farce. Der FSR Chemie & Mineralogie ist sich der Herausforderungen angesichts knapper öffentlicher Kassen bewusst. Daher ruft er alle Beteiligten zum sofortigen Dialog auf und fordert die gemeinsame und öffentliche Entwicklung eines Planes zur Umgestaltung der sächsischen Hochschullandschaft zum Vorteile aller unter Berücksichtigung der Zukunftsorientiertheit von Bildungsausgaben. Sollte dies ausbleiben, müssen wir in Zukunft leider allen angehenden Studierenden, Mitarbeitern sowie Professoren davon abraten nach Sachsen zu kommen.
Mit freundlichen Grüßen,
FSR Chemie & Mineralogie

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